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| Schwarzer CL-Mittwoch für Manchester |
| Manchester hat einen schwarzen Fußball-Mittwoch erlebt. Die beiden Top-Clubs United und City haben das Achtelfinale der Champions League verpasst und müssen nun mit dem Sechzehntelfinale der Europa League vorlieb nehmen. Die letzten vier Tickets für die erste K.o.-Runde im Februar und März haben sich Napoli, ZSKA Moskau, FC Basel und Olympique Lyon gesichert. Damit stehen mit David Alaba (Bayern München) und Aleksandar Dragovic (Basel) zwei Österreicher im Achtelfinale der Königsklasse. Dragovic hat mit Basel in Gruppe C die ganz große Sensation geschafft und Manchester United aus dem Bewerb geworfen. Basel feierte einen 2:1-Heimerfolg gegen ManUnited und verdrängte den Vorjahresfinalisten noch von Rang zwei. Die erste Chance der Partie brachte gleich die Baseler Führung, Marco Streller war nach einer Abwehr von Manchester-Tormann David De Gea per Abstauber erfolgreich (9.). Danach war Manchester gefordert, doch die Truppe von Langzeit-Trainer Alex Ferguson strahlte wenig Gefahr aus. Im Finish machte Alexander Frei mit dem 2:0 (84.) die Überraschung perfekt, der Anschlusstreffer von Phil Jones kam zu spät (89.). United schied bei der 17. Champions-League-Teilnahme erst zum dritten Mal nach 1994/95 und 2005/06 bereits in der Gruppenphase aus. Benfica Lissabon war bereits als Aufsteiger festgestanden, die Portugiesen fixierten mit einem 1:0-Heimsieg gegen Otelul Galati den Gruppensieg. In Gruppe A ist Manchester City auf der Strecke geblieben. Der überlegene Tabellenführer der englischen Premier-League setzte sich gegen Bayern München zwar 2:0 durch, die notwendige spanische Schützenhilfe blieb jedoch aus: Napoli siegte auswärts gegen Villarreal 2:0. Die City-Tore von David Silva (37.) und Yaya Toure (52.) waren ein schwacher Trost für die Engländer, denn Napoli gewann dank Treffern von Gökhan Inler (65.) und Marek Hamsik (76.) gegen das punktlose Schlusslicht Villarreal. Die Bayern schonten angesichts des bereits feststehenden Gruppensieges zahlreiche Akteure, der Österreicher Alaba durfte aber im rechten Mittelfeld spielen. In Gruppe B sicherte sich ZSKA Moskau das zweite Achtelfinal-Ticket. Da Gruppen-Dominator Inter Mailand daheim gegen Moskau 1:2 verlor, hatten Lille und Trabzonspor aufgrund eines 0:0 im direkten Duell das Nachsehen. Die Entscheidung für die Russen fiel durch den Siegestreffer durch Wasili Beresuzki in der 86. Minute. Das Wunder von Zagreb vollbrachte in Gruppe D Olympique Lyon. Die Franzosen fegten mit 7:1 über Dinamo Zagreb hinweg und schnappten Ajax Amsterdam (0:3 daheim gegen Real Madrid) aufgrund der besseren Tordifferenz noch den zweiten Rang weg. Lyon lag zwar 0:1 zurück, danach setzten die Gäste aber zu einem unglaublichen Zwischenspurt an. Bafetimbi Gomis (45., 48., 52., 70.), Maxime Gonalons (47.), Lisandro Lopez (64.) und Jimmy Briand (75.) schossen die Tore zum 7:1-Endstand. Den Rest gab Ajax der portugiesische Referee Manuel De Sousa, der den Niederländern vor der Pause gleich zwei reguläre Tore aberkannte. Real-Trainer Jose Mourinho schonte drei Tage vor dem spanischen Liga-Schlager gegen den FC Barcelona zahlreiche Stammkräfte, dennoch sorgten Tore von Jose Callejon (14., 92.) und Gonzalo Higuain (41.) für den sechsten Sieg im sechsten Match. |
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| ÖFB-Elf kämpft: Teamchef und Kapitän streiten |
| Ein enttäuschter Kapitän, ein verständnisloser Teamchef. Die Voraussetzungen vor dem Spiel der letzten Chance könnten besser sein. Denn Österreichs Nationalteam braucht am Freitag (20.45 Uhr, ORF eins live) in Gelsenkirchen gegen Deutschland einen Sieg, um sich noch eine kleine Hoffnung auf die Teilnahme an der EM-Endrunde 2012 machen zu können. Und so kommt ein interner Streit zwischen Kapitän Marc Janko und Teamchef Dietmar Constantini zur ungünstigsten Zeit. Der 28-jährige Stürmer macht nämlich kein Hehl aus seinem Frust darüber, wohl wieder nicht zur Stammformation zu gehören. „Ich hatte noch kein Gespräch mit ihm“, lautete sein Vorwurf Richtung Teamchef. Nun konterte der Tiroler in ungewohnt scharfer Form: „Er ist ein Top-Stürmer, aber er sollte seine Leistungen in der EM-Qualifikation selbst hinterfragen.“ Auch die Forderung von Janko nach einem klärenden Gespräch löste bei Constantini Kopfschütteln aus. „Ich spreche laufend mit ihm, mehr als notwendig ist.“ Und weil er gerade am Austeilen war, meinte der Teamchef noch: „Arnautovic hat beim ersten Mal gut trainiert, beim zweiten Mal nicht.“ Dennoch ist der Coach davon überzeugt, die Sensation schaffen zu können: „Eine Chance gibt es immer.“ Überlegungen gibt es vor allem noch hinsichtlich der Offensive: Mit Dag rechts und Arnautovic vorne oder Arnautovic rechts und Hoffer vorne. VN |
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| Altachs linke Seite als Problemzone |
| Am 23. März hatte Enrico Pfister nach einer verletzungsbedingten Pause von 599 Tagen sein Comeback im SCRA-Dress gefeiert. 23 Tage später ist die Hochstimmung beim 27-Jährigen schon wieder verflogen. Nach den Einsätzen gegen Wacker und Admira aber reagierte das Knie. Nach Rücksprache mit Trainer Adi Hütter wird Pfister nun pausieren und sich noch einmal genau untersuchen lassen. Eine MR-Untersuchung soll Aufschluss darüber geben, wie lange die Pause des Defensivspielers andauern wird. Mit dem Ausfall von Pfister werden die Probleme auf der linken Seite für den Coach noch größer. Nach Gernot Suppan fällt nun schon der zweite Linksverteidiger aus. In diese Rolle soll nun Jürgen Pichorner schlüpfen. Der 32-jährige Routinier verfügt laut Hütter über Erfahrung auf der linken Abwehrseite. Zwei” Maskenmänner“ Nach Zusammenstößen im Training der Austria und beim FC Lustenau trafen sich die Spieler Sabri Vural und Akif Cengiz im Spital in Dornbirn. Die Diagnose bei beiden: Nasenbeinbruch. Mit einer Maske wollen sie nun die nächsten Spiele bestreiten. |
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| FC Lustenau ist bereit für weitere Überraschung |
| “Mit Einsatz, Wille und taktischer Disziplin ist ein Punkt sicher möglich“, so Trainer Slobodan Grubor. Er sieht aufgrund der letzten Resultate den psychologischen Vorteil auf seiner Seite. “Der Druck bei Innsbruck ist enorm groß.“ Zudem fehlen bei den Tirolern mit Sara, Winkler, Schrott, Bilgen, Perstaller und Dakovic gleich sechs Spieler. |
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| "Hickersberger hat viel falsch gemacht" |
| Der Sportredakteur erlebte die EURO 08 im Teamcamp der österreichischen Nationalmannschaft und in Wien hautnah. Im VOL Live-Gespräch lässt er das sportliche Großereignis noch mal Revue passieren und spart dabei nicht mit Kritik am Ex-Teamchef Hickersberger. „Nach dem Schlusspfiff des Endspiels fällt man schon in ein kleines Loch. Vier Wochen lang gab es nichts anderes als die EM und plötzlich ist alles vorbei“, so Christian Adam. Der „VN“-Sportredakteur hat den besten Kickern Europas vier Wochen lang auf die Beine geschaut, zwei Wochen davon hat er hautnah bei der österreichischen Nationalmannschaft im Teamcamp in Stegersbach verbracht. „Das Nationalteam wurde total abgeschottet, nur während den wenigen Showtrainings und bei den Pressekonferenzen bekam man die Spieler zu Gesicht“, berichtet Adam. Das sportliche Niveau bei der EM beurteilt der Journalist als sehr gut. „Wir bekamen tollen Offensivfußball geboten. Schon bei der letzten EM vor vier Jahren in Portugal hat sich dieser Trend gezeigt, dass Europa sich hin zum schnellen Angriffsfußball bewegt. Spanien hat dieses System am besten beherrscht und verdient den Titel geholt“. Dass Österreich bei der Heim-EM vorzeitig ausschied, ist laut Christian Adam auch Josef Hickersbergers Schuld. „Der Ex-Teamchef hat es meiner Meinung nach nicht geschafft, in der Vorbereitung auf die EURO ein geeignetes Spielsystem für die Mannschaft zu finden. In jedem der drei Gruppenspiele wurde mit einem anderen System gespielt, damit war die Mannschaft überfordert“, spart Adam nicht mit Kritik. Zum EURO-Blog von Christian Adam |
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| König empfing die Europameister |
| Das Königspaar gratulierte jedem der 23 Spieler einzeln zum Turniersieg. Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero sagte dem Team: “Ihr habt ein spektakuläres und brillantes Spiel gemacht. Das war echter Fußball. Ihr habt Europa und der Welt ein großartiges Bild von Spanien vermittelt.” Der spanische Trainer Luis Aragones versprach dem Regierungschef und FC-Barcelona-Fan, dass es bis zum nächsten Titelgewinn für die “Seleccion” nicht wieder 44 Jahre dauern werde. Bereits am Montagabend hatten mehrere hunderttausend Menschen die Ankunft der Nationalmannschaft in Madrid begeistert gefeiert. |
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| Schweden und Norwegen wollen EM 2016 |
| Der Generalsekretär des schwedischen Verbandes SFF, Sune Hellströmer, sagte am Dienstag im Stockholmer Rundfunksender SR, man werde voraussichtlich im Herbst die Unterlagen beim europäischen Fußballverband UEFA einreichen. Die als sicher geltende Ausweitung des Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 Mannschaften stelle kein Problem dar, meinte Hellströmer. Es müsse dafür vier EM-taugliche Stadien in jedem der beiden Länder geben. Schweden hatte 1992 die von Dänemark gewonnene EM mit damals noch acht Teilnehmern alleine ausgerichtet. Norwegen wäre erstmals Gastgeber eines Fußball-Großereignisses. Nach der EM in Österreich und der Schweiz soll das nächste EURO-Turnier 2012 in Polen und der Ukraine stattfinden. Allerdings könnte es wegen nicht ausreichender Infrastruktur noch verlegt werden. Als Favorit für die Ersatz-Gastgeberrolle gilt Spanien. Schärfster Mitbewerber der Skandinavier um das Turnier in acht Jahren wäre Frankreich, die Heimat von UEFA-Präsident Michel Platini. |
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| Fans für "Mutter-die-Casillas-gebar-Straße" |
| In der Madrider Vorstadt Mostoles, wo am 20. Mai 1981 Iker Casillas das Licht der Welt erblickte, läuft nun eine Initiative, wonach der Mutter des Kapitäns und Tormanns der spanischen Nationalmannschaft nach dem 1:0-Finalsieg am Sonntag gegen Deutschland im Wiener Ernst-Happel-Stadion eine Straße gewidmet werden wollen. Diese soll den klingenden Namen “Calle de la madre que pario a Casillas”, also “Die-Mutter-die-Casillas-gebar-Straße” tragen. Auf einer eigens eingerichteten und von der Madrider Bierbrauerei “Mahou” unterstützten Homepage liegt eine Unterschriftenliste auf. Bis am Dienstagvormittag (10.30 Uhr) hatten sich bereits 17.244 Personen eingetragen. Die Liste soll dann dem Bürgermeister von Mostoles vorgelegt werden. Der 27-jährige Torhüter von Real Madrid war insbesondere im Viertelfinalspiel gegen Italien zum Helden avanciert, als er im Elferschießen zwei Penaltys parierte. Am Montagabend war das spanische Team in Madrid nach seiner Ankunft von rund einer Million Menschen frenetisch gefeiert worden. |
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| Spanien in Madrid triumphal empfangen |
| “Vergiss die Schule. Morgen mache ich blau. Heute wird durchgefeiert”, sagt auch Ruben. Der 16-jährige Madrilene schreit vielmehr, denn alles andere wäre im “Campeones, campeones”-Jubel auch zwecklos. Ruben und seine Freunde befinden sich mitten im Getümmel auf dem Madrider Kolumbusplatz. Leuchtstäbe und Silvesterknaller erhellen den Madrider Nachthimmel. Es ist ein Uhr nachts und niemand der knapp 100.000 Fans auf dem Platz verschenkt nur einen einzigen Gedanken daran, nach Hause zu gehen. Ganz im Gegenteil: von allen Himmelsrichtungen strömen neue Menschenmassen heran. Niemand will diesen historischen Tag für den spanischen Fußball verpassen. Jugendliche, Pärchen, Pensionisten, Eltern mit ihren kleinen Kindern: Sie tanzen, schreien und singen. Noch bis weit in die Morgenstunden feierten die Spanier den Sieg ihrer Fußballnationalelf im EM-Finale über Deutschland. Die Menschen tanzten in den Brunnen, auf den Straßen, in den Bars. Mit Hupkonzerten und Silvesterknallern wurde die Nacht zum Tag gemacht. Ein ganzes Land steht Kopf! “Wir haben so viele Jahre auf einen EM- oder WM-Sieg gewartet und endlich ist es soweit. Das ist unser Tag. Das Finale auch noch gegen einen Angstgegner wie Deutschland zu gewinnen, ist einfach das Größte”, kreischt Ruben. Seine Stimme setzt langsam aus. Doch ein kräftiges, mittlerweile leicht heiseres “Espana, Espana” bekommt er immer noch heraus. Die Plaza de Colon, der Madrider Kolumbusplatz, auf dem das EM-Endspiel auf einer Riesenleinwand übertragen wurde, ist nur das Epizentrum der Fußballparty. Ganz Madrid steht Kopf. Die Lokale sind randvoll. Doch die eigentliche Fiesta steigt auf der Straße. Selbst der achtspurige Paseo de la Castellana verwandelt sich eine einzige Partymeile. Die Fans stürzen sich bei nächtlichen 30 Grad in die Brunnen. Autos kurven mit Hupkonzerten und riesigen Spanien-Flaggen durch die Straßen der spanischen Hauptstadt. Die Fans lassen in dieser Nacht vor allem zwei ihrer Helden hochleben: Torwart Iker Casillas und Fernando Torres. Es war der Stürmer vom FC Liverpool, der in der 33. Minute den Kolumbusplatz explodieren ließ, als er geschickt den Ball über Jens Lehmann ins deutsche Tor lupfte. Die Euphorie nahm kein Ende. Die Fans wurden nicht müde, “La Roja” (Die Rote) nach vorne zu schreien: “A por ellos, oe” feuerten sie die spanische Elf an. Es bedeutet so viel wie “Jetzt, auf sie los”. Und so ähnlich machte es die spanische “Seleccion” dann auch. Die Spanier genossen den Fußballzauber ihrer Jungs und entledigten sich ganz neben bei einer langjährigen Last. Seit Jahren galt Spanien als Geheimfavorit für sämtliche Turniere – und scheiterte immer frühzeitig. Der letzte und einzige große Turniererfolg war der Gewinn des Europapokals 1964. Selbst der Einzug ins Halbfinale gelang den Spaniern seit 24 Jahren nicht mehr. “Es war wie ein Fluch. Doch endlich haben wir gezeigt, was wir drauf haben”, sagt Raquel Serrano. Die 27-jährige Spanierin muss zugeben, eigentlich kein großer Fußballfan zu sein. Doch wie Tausende anderer Spanier wurde auch sie vom Fußballzauber dieser spanischen “Seleccion” verzaubert. So begeistert wie bei dieser Europameisterschaft wurden Casillas und Co schon lange nicht mehr gefeiert. Auch die spanische Presse überschlägt sich vor Lob. “Wir sind die Könige Europas”, titelt Spaniens größte Sportzeitung “Marca”. “Ehre den Besten”, lobt “El Pais” und bringt die Meinung vieler Spanier auf den Punkt. “Wir waren einfach überragend. Nicht nur im Endspiel, sondern während des gesamten Turniers”, versichert auch Ruben und schenkt sich erneut einen Calimocho ein. Das in Spanien unter Jugendlichen beliebte Rotwein-Cola Gemisch dürfte am Montag bei einigen einen großen Kater verursachen. Aber Ruben will die Kopfschmerzen sogar genießen. “Das war es wert”, sagt er so stolz und hüllt sich in seine Spanien-Flagge, auf der ein schwarzer Stier prangt. |
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| Torres & Co. für Luis Aragones |
| “Neuer Vertrag für Luis!”, “Luis, geh’ nicht fort!”, skandierte die gesamte Mannschaft wiederholte Male. Es war eine laute, symbolische, sehr bezeichnende Geste zur Unterstützung von Teamchef Luis Aragones. Dennoch wird der bald 70-Jährige wohl gehen, Nachfolger Vicente Del Bosque steht bereits zur Unterschrift bereit. Es war “ein Fest für Luis”, schrieb die Tageszeitung “El Pais”. Am Tisch saßen nämlich auch der Präsident des spanischen Fußballverbandes, Angel Maria Villar, und Sportdirektor Fernando Hierro. Das Verhältnis zwischen Aragones, aber auch dem gesamten Team, zu diesen Herren, ist etwas gespannt. Immerhin planten sie schon vor der EURO 2008 für die Zukunft. Den späteren Erfolgscoach Aragones hatten sie dabei nicht auf der Rechnung. Einen Tag vor dem totalen Triumph im Ernst-Happel-Stadion sagte dieser dann auch leicht verbittert: “Ich gehe, weil mich niemand gefragt hat, ob ich bleibe.” Auch beim enthusiastischen Empfang von “La Roja” in Madrid, der am Montagabend immerhin eine Million Menschen auf die Beine brachte, verfielen die Spieler und mit ihnen die Fans immer wieder in Lobeshymnen für “Luis”. “El Pais” meinte: “Villar und Hierro müssen im Kontakt mit den Spielern und dem Teamchef nun bittere Momente hinnehmen. Die Mannschaft bringt auf diese Weise die Autorität zum Ausdruck, die sie sich jüngst erarbeitet hat.” Trotzdem dürfte alles so bleiben, wie es bereits Ende Mai vor der Abreise nach Österreich geplant worden war. Nach dem Abgang von Aragones wird bereits in der kommenden Woche Vicente Del Bosque einen Zweijahresvertrag unterschreiben und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der frühere Erfolgscoach von Real Madrid (Meister 2001, 2003 und Champions-League-Sieger 2000, 2002) soll die Mannschaft zu Beginn der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika übernehmen. Spanien trifft dabei in Gruppe 5 auf die Türkei, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Armenien und Estland. Auftakt ist am 6. September mit einer Partie gegen Bosnien-Herzegowina. Der 57-jährige frühere Mittelfeldspieler von Real Madrid, der auch 18 Mal im spanischen Team zum Einsatz kam, wird jenen Betreuerstab mitbringen, der ihm schon in den Jahren 1999 bis 2004 bei den “Königlichen” zur Seite stand: Als Co-Trainer Toni Grande und Paco Jimenez, der auch die Beobachtung der Gegner übernehmen wird, und als Zuständigen für Konditionsfragen Javier Minano. Für die Spieler ist der neue Coach weitgehend ein Unbekannter. Lediglich Tormann und Kapitän Iker Casillas hat mit Del Bosque schon bei Real zusammengearbeitet. Während Spaniens Presse nun noch die eine oder andere Träne über den Abschied von “Luis” verdrückt, wird bereits dem Mann mit dem Seehundschnurrbart der Hof gemacht. “Der ideale Nachfolger”, schrieb etwas “As”: “Der Wechsel wird nicht traumatisch sein, sondern ruhig. Weil das Modell kontinuierlich fortgesetzt wird, was allgemein akzeptiert ist. Der Abgang ‘des Weisen’ ist unvermeidlich und vielleicht ist es besser, dass er jetzt passiert, am Gipfel des Erfolges. Luis wird auf den Schultern durch die ‘Puerta Grande’ getragen und Del Bosque zollt ihm den Respekt als Meister.” Tatsächlich ist Del Bosque voll des Lobes für seinen Vorgänger: “Der Teamchef hat große Verdienste, weil er die Spieler gut ausgewählt hat und es geschafft hat, sie zum Triumph zu führen.” Wobei der vermutlich neue “seleccionador” auch das bei der EURO so dominante Gemeinschaftsgefühl aufrechterhalten will: “Ich werde jetzt keine individuellen Spieler bewerten. Es ist eine verschworene Gruppe, die von Anfang an alles sehr gut gemacht und verdient gewonnen hat. Der Erfolg ist auch so wunderbar, weil die Mannschaft noch so jung ist.” Der scheidende Coach ließ nach dem Ende der EURO 2008 nun übrigens erstmals durchblicken, dass er wohl tatsächlich bei Fenerbahce in der Türkei landen wird. “Das mit der Türkei” sei doch “eine Verrücktheit”, meinte ein Reporter der Tageszeitung “ABC”. Die Antwort des bald 70-jährigen Aragones lautete: “Warum? Das ist Fußball. Es ist ein wirtschaftlich interessantes Angebot, das man nicht ablehnen kann. Ich fühle mich stark. Und so lange ich mich stark fühle und Angebote habe, werde ich trainieren. Ich weiß, dass ich zu einem großen Club mit einer heißen Anhängerschaft gehe.” Laut spanischen Medienberichten bietet der türkische Spitzenverein Aragones mittlerweile bereits vier Millionen Euro jährlich, wenn er bis 2010 unterschreibt. |
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| Fans feiern Verlierer in Berlin |
| Zehntausende jubelnde Fans haben der deutschen Nationalmannschaft am Montagnachmittag auf Europas größter Fanmeile beim Brandenburger Tor in Berlin einen rauschenden Empfang bereitet. Am Tag nach dem verlorenen EURO-Finale gegen Spanien zeigte sich das Team rund um DFB-Teamchef Joachim Löw locker und gut gelaunt. Nach der Ankunft in Berlin trugen sich die DFB-Kicker zunächst in das Gästebuch der Hauptstadt ein, ehe die Spieler je nach Formation der Reihe nach auf die Bühne gerufen wurden und von dort gelbe Fußbälle in die Menge schossen. Nach den Spielern, dem Trainerteam sowie Manager Oliver Bierhoff wurde der Menge auch das “Team hinter dem Team” präsentiert. Mit ihrem Auftritt bedankten sich Kapitän Michael Ballack und Co. bei den Fans, die in der Schweiz keine Möglichkeit hatten, ihre Stars hautnah im Trainingszentrum Tenero zu verfolgen, für ihre tolle Unterstützung während dem Turnier in Österreich und der Schweiz. “Die deutschen Fans waren sensationell, stehen zu uns in guten, wie in schlechten Zeiten”, freute sich Philipp Lahm. Und der 31-jährige Ballack betonte einmal mehr: “Ohne die Fans hätten wir es nicht so weit geschafft.” Bundestrainer Löw wies einmal mehr darauf hin, dass man stolz sein könne, ins Finale eingezogen zu sein, und richtete gleichzeitig eine Kampfansage an den frischgebackenen Europameister. “Sollten die Spanier in einem Turnier noch einmal kommen, dann werden wir sie schlagen”, so der 48-Jährige. Die Deutschen waren am Mittwoch gegen 14.00 Uhr am Flughafen Berlin-Tegel gelandet und mit einer Begrüßungsfontäne, unter der die Boeing 737-300 hindurchrollte, empfangen. Zudem überreichten Stewardessen auf der Gangway Blumensträuße an die Mannschaft und applaudierten den Spielern und Betreuern. Anschließend wurde der Tross mit einer Polizeieskorte zur Fanmeile chauffiert. Dort hatten bereits seit einigen Stunden tausende Anhänger auf ihre Idole gewartet. Umrahmt wurde der Empfang durch ein Live-Programm mit EM-Hits und Entertainment-Einlagen, dabei hatte auch Christina Stürmer mit ihrem Song “Fieber” ihren Auftritt. |
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| Aragones – Der Weise von Hortaleza |
| “Ich bin absolut glücklich”, sagte er nach dem großen Triumph am Sonntagabend im Ernst- Happel-Stadion. “Normalerweise zeige ich nicht, was ich empfinde. Aber in mir bin ich ganz voll mit Freude. Ich bin nicht so emotional, aber manche Spieler haben Dinge gesagt, die mich wirklich mit Emotionen erfüllt haben. Ich zeige diese Gefühle aber nicht, das gestehe ich mir nicht zu. Andere können das vielleicht besser zum Ausdruck bringen – ich kann es nicht, so bin ich eben.”So ganz vermag “Luis” sein Innerstes aber doch nicht verbergen. Je mehr bei der EURO 2008 deutlich wurde, dass diese für ihn zu einer Via Triumphalis werden könnte, desto öfter erwähnte er etwa seine Familie, der er den einen oder anderen Sieg widmete. Nach dem Knockout von Italien im Elferschießen erzählte er über seine elf Enkelkinder, von denen ihn manche gleich nach Spielschluss angerufen hätten. Die Rührung darüber war dann wirklich nicht mehr übersehbar.Auch bei seinen an sich mit trockenem Humor abgespulten Pressekonferenzen glitt er manchmal in sympathische Gefühlsausbrüche ab. Etwa als er gleich zu Beginn der EURO 2008 von den spanischen Journalisten sekkiert wurde, weil ihm Stürmer Fernando Torres nach seine Auswechslung im ersten Gruppenspiel gegen Russland (4:1) nicht die Hand gegeben und “Luis” in einer ersten Reaktion gemeint hatte: “Das bleibt nicht so stehen.”Da erzählt er dann, dass er “el nino” doch schon von seiner Zeit bei Atletico Madrid her kenne, als dieser noch eine blutjunge Nachwuchshoffnung war. Ähnliches geschah, als er einmal auf die Rolle von Torhüter-Ersatzmann Pepe Reina angesprochen wurde. “Ach”, sagte er, “Reina. Ich habe ja schon seinen Vater trainiert.” Um dann minutenlang Anekdoten über Miguel Reina zu erzählen, der von 1964 bis 1980 aktiv war und dabei fünfmal im Tor des spanischen Nationalteams stand.Dass Aragones auch verletzlich ist, zeigte eine Aussage am Tag vor dem Finale: “Ich gehe, weil mich niemand gefragt hat, ob ich bleibe”, bekräftigte er etwas kryptisch und verbittert seine Entscheidung, nach der EURO 2008 nicht mehr als Teamchef zur Verfügung zu stehen. Tatsächlich war seine Akzeptanz sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit noch knapp vor der EM keineswegs so groß gewesen wir jetzt.Damals wurde bereits offen nach einen Nachfolger gerufen und Aragones musste trotz sichtbarer Erfolge herbe Kritiken einstecken. Damit kann er nach eigenen Angaben umgehen. “Alles, was dir im Leben passiert, hat einen Sinn. Ob es nun etwas Gutes oder Schlechtes ist. Aus schlechten Dingen kann man auch lernen.” Auch aus Kritik. “Böse werde ich nur, wenn Beschimpfungen dabei sind.”Am Sonntag hatte er letztlich die nackten Fakten auf seiner Seite. Er wollte diesen “Sieg” nicht ausschlachten, die Genugtuung war aber unüberhörbar: “Diese Kritik hat bei mir nur bewirkt, dass ich noch härter arbeite. Ich wusste dass sich eines Tages zeigen würde, wer Recht und wer Unrecht hat.” Manche seiner Gegner geben nun klein bei. Das zeigen unter anderem Aktionen wie das Internet-Forum “Entschuldigen Sie sich bei Luis!”, das von der Zeitung “El Mundo” ins Leben gerufen wurde.Vielleicht aber ist es für ihn ja das Beste, am Höhepunkt aufzuhören. So werden für immer die beeindruckenden Zahlen zu Buche stehen, die dem “Weisen von Hortaleza” keiner mehr wegnehmen kann: Er ist der erfolgreichste Teamchef in Spaniens bisheriger Fußballgeschichte.Zählt man auch das Viertelfinale gegen Italien als vollen Erfolg, selbst wenn es erst im Elfmeterschießen entschieden wurde, hat er 39 Siege auf dem Konto, drei mehr als Javier Clemente in der Zeit zwischen 1992 and 1998. Der Baske benötigte dafür aber 62 Spiele, Aragones saß 54 Mal auf der spanischen Bank. Und mit dem Sieg über Deutschland ist “La Roja” seit 22 Matches in Serie (oder seit November 2006) ungeschlagen.“Luis” selbst hat diese Zahlen angeblich nicht im Kopf. “Sie zeigen aber, dass meine Arbeit nicht so schlecht gewesen sein kann.” Besonders stolz wäre er aber auf folgende Nachrede: “Dass ich ein Team hinterlasse, in dem ein hervorragendes Ambiente herrscht.” Nach dem Sieg im EM-Finale sollte daran kein Zweifel bestehen. |
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| Torres und Villa feierten am längsten |
| Nach dem verspäteten “Abendessen” in der Pizzeria Platzl tanzten die Spanier im Dorf-Pub von Neustift ab. Wobei sich die Spanier auch beim Feiern recht bescheiden gaben. Auf den eingekühlten Champagner verzichteten die neuen EURO-Helden großteils, dafür floss “Cerveca” in Strömen. Erfolgstrainer Luis Aragones war der erste, der die private Feier Richtung Hotel gegen 6.00 Uhr in der Früh verließ. Die besten “Steherqualitäten” beim Feiern bewies das Sturmduo Fernando Torres, der am Sonntag den Goldtreffer für Spanien erzielt hatte, und David Villa, der sich zum Torschützenkönig der EURO 2008 gekrönt hatte. Das Duo brach erst um 8.30 Uhr auf. Und während sich die Stars in ihrem Teamhotel “Milderer Hof”, der für über drei Wochen zu ihrer zweiten Heimat geworden war, ausruhten und sich auf den für 17.00 Uhr geplanten Rückflug zur großen Siegesparade in Madrid vorbereiteten, hielten einige Fans von Casillas und Co noch am Montagvormittag durch. Immer wieder hallten “Eviva Espana”-Chöre durch den Tourismusort im Stubaital. |
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| Auto-Flaggen dürfen bleiben |
| Laut Verkehrsministerium bleibt die Ausnahmeregelung auch nach der EM aufrecht, Fans dürfen weiterhin die Fahne hissen. Ein offizieller Erlass ist noch ausständig. Der ARBÖ rät aber aus Sicherheitsgründen dazu, die Fahnen jetzt abzumontieren. “Der Erlass zur Duldung der Fan-Fahnen auf den Fahrzeugen gilt nämlich nur bis zum Ende der Europameisterschaft”, sagte Herbert Grundtner, geschäftsführender Vizepräsident des ARBÖ. Die Sprecherin von Verkehrsminister Werner Faymann (S), Angelika Feigl, hat am Montag der APA bestätigt, dass diese “Fanartikel” an Fahrzeugen, solange keine Verwechslungsgefahr mit den “offiziellen Fahnen” besteht, auch weiterhin am Auto montiert werden dürfen. Der ARBÖ rät dennoch dazu, die Wimpeln mit Ende der Fußballeuropameisterschaft abzumontieren. Einerseits sei der Anlass weggefallen und bei höheren Geschwindigkeiten bestünde auch ein gewisses Sicherheitsrisiko. Außerdem steigt durch den Widerstand der Spritverbrauch – nicht viel, aber doch ein wenig, sagte ARBÖ-Sprecherin Lydia Ninz. Das Verkehrsgeschehen betreffend, zog der Autofahrerclub eine positive EM-Bilanz. Vorankündigungen der Straßensperren und die Informationen während der Europameisterschaft hätten dazu geführt, dass es keine nennenswerten Behinderungen gab. |
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| Die Tops der EURO 2008 |
| Tiqui-Taca: 24 Jahre mussten die Spanier auf einen Finaleinzug bei einem großen Turnier warten. In entscheidenden Turnierphasen hatte ihnen schon das Image der Versager angehaftet, ehe der “Weise von Hortaleza” kam. Luis Aragones formte eine junge Mannschaft, die mit ihrem “Tiki-Taca”, dem blitzschnellen und perfekten Kurzpass-spiel, zum Erfolg kam. Silva, Xavi, Iniesta oder Fabregas spielten vor allem in der zweiten Hälfte des halbfinales gegen Russland Tiki-Taca in Vollendung. Dahinter hielt ihnen mit Marcos Senna wohl der stärkste defensive Mittelfeldspieler der EM den Rücken frei. Russland: Andrej Arschawin, Roman Pawljutschenko und die anderen Jungstars der “Sbornaja” spielten zeitweise einen atemberaubenden Fußball und bewiesen, dass der UEFA-Cup-Sieg von Zenit St. Petersburg keine Eintagsfliege war. Russland ist auch im Fußball ein längst erwachtes Riesenreich mit enormen finanziellen Möglichkeiten. Der niederländische Trainer-Import Guus Hiddink gab den Ballzauberern aus dem Land des Eishockey-Weltmeisters den letzten Kick, auch wenn es nicht fürs Finale reichte. “Die Zukunft gehört uns”, prophezeite nicht nur die Zeitung “Sport-Express”. Türkische Spätzünder: Dreimal war für die Türkei die Uhr eigentlich schon abgelaufen, aber dreimal schlug die Mannschaft von Fatih Terim in der Schlussphase zurück: Beim 2:1 gegen die Schweiz, beim fulminanten 3:2 gegen Tschechien und in der Verlängerung beim Sieg im Elfmeterschießen gegen Kroatien. Auch im Halbfinale gegen Deutschland bewiesen die Türken einen langen Atem, auch wenn das 2:2 in der 86. Minute nichts mehr nutzte. Am Ende verloren die Türken selbst durch ein Last-Minute-Tor von Philipp Lahm. Fairplay: Hart, aber auch herzlich ging es auf dem Rasen zu. Es gab fast keine brutalen, gesundheitsgefährdende Fouls, kaum Rudelbildungen und keine Revancheattacken. Bis zum Finale zückten die Schiedsrichter nur drei Rote Karten. Die einzige Gelb-Rote Karte wurde zurückgenommen. Stimmung: Volksfeststimmung herrschte in den Stadien und meist auch in den Austragungsstätten. Die Hymnen der gegnerischen Mannschaft wurden nicht ausgepfiffen, Randale gab es nur ganz selten und wurden im Fall des Falles von der Polizei rasch und effektiv beendet. Tempofußball: Noch nie war bei einem internationalen Turnier so viel Tempo im Spiel. Die Profis laufen und laufen und laufen – häufig über 10 Kilometer in 90 Minuten. Eine “unglaubliche Mischung aus Dynamik und hohem technischen Standard” sah auch der Schotte Andy Roxburgh, der technische Direktor der UEFA. Fernsehaufzeichnungen aus den 70er und 80er Jahren sehen dagegen wie Zeitlupen aus. Zuschauerzahlen: Sowohl Spiele in den Stadien als auch die TV-Übertragungen des ORF durften großer Beliebtheit erfreuen. Mit 1,191 Millionen Zuschauern bei den 31 Spielen ist die EURO 2008 in absoluten Zahlen die Nummer zwei nach England 1996. Der ORF durchbrach beim brisanten Duell Österreich-Deutschland mit 2,186 Millionen Zuschauer die Zwei-Millionen-Marke klar. |
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| Die Flops der EURO 2008 |
| Titelträger: Europameister Griechenland kam mit derselben, extremen Defensivtaktik wie beim Sensationserfolg in Portugal 2004 nach Österreich, diesmal gesellte sich zur unattraktiven Spielweise aber auch Erfolglosigkeit. Als einzige Mannschaft blieb der Titelverteidiger ohne Punkt. Nur knapp besser schnitt der Vize-Weltmeister ab. Frankreich holte einen einzigen Punkt und wies mit 1:6 Toren die schlechteste Tordifferenz auf. Weltmeister Italien stieg gerade noch in das Viertelfinale auf, versuchte sich dort aber vergeblich ins Halbfinale zu “mauern” und schied nach Elfmeterschießen gegen Spanien aus. Auch für Vize-Europameister Portugal kam im Viertelfinale das Aus. Cristiano Ronaldo: Als designierter Superstar war der Flügelflitzer von Manchester United zur EM gekommen. Für den englischen Meister und Champions-League-Sieger hatte Ronaldo 42 Saisontore erzielt, für Portugal bei der EURO aber nur ein einziges. Nur selten waren seine gefürchteten Flankenläufe zu sehen, bei der Viertelfinal-Niederlage gegen Deutschland wurde er sogar komplett abgemeldet. Petr Cech: Das überdimensionale Abbild des tschechischen Torhüters mit den acht Armen auf dem Wiener Riesenrad scheint unbezwingbar, in Genf sah die Realität aber ganz anders aus. Der Startorhüter von Chelsea produzierte den größten und folgenschwersten Patzer der EM: Im entscheidenden Gruppenspielen gegen die Türkei ließ er in der 87. Minute eine harmlose Flanke fallen, Nihat nahm des Geschenk an, traf zum 2:2 und zwei Minuten später zum 3:2-Endstand. Dass der griechische Schlussmann Antonis Nikopolidis und der türkische Ersatztorhüter Rüstü Recber ebenfalls patzten, kam dagegen weniger überraschend. Wetter: Die EM begann verregnet, ehe die Sonne im Turnierverlauf doch noch herauskam. “Wir werden einen Regentanz in unser tägliches Programm aufnehmen, damit es besser wird”, sagte Turnierdirektor Christian Mutschler zum Wetter in der Gruppenphase. Der regnerische Höhepunkt: Die Partie Schweiz – Türkei in Basel, die in der ersten Hälfte zu einer Wasserschlacht ausartete. Nach dem Spiel musste der Rasen komplett ausgetauscht werden. Beid er Halbfinal-Partie Deutschland-Türkei musste die Fanzone in Wien wegen eines heftigen Unwetters in der zweiten Hälfte geräumt werden. TV-Signal: Erstmals in der EM-Geschichte war der Veranstalter UEFA durch seine Tochter UEFA Media Technology SA auch für das weltweite TV-Signal zuständig – und erlebte während des Halbfinales Deutschland-Türkei eine schwarze Stunde. Ein technisches Problem führte zu einem zweitweisen Totalausfall der Satellitenübertragung. Da die Sender verpflichtet waren, die offiziellen Bilder zu übernehmen, herrschte fast weltweit Mattscheibe. Nur das Schweizer Fernsehen SF1 (wegen einer Glasfaser-Direktverbindung aus dem Stadion in Basel) und der arabische Nachrichtensender Al Jazeera waren davon nicht betroffen. Kritik hagelte es zudem dafür, dass die UEFA-Regisseure Flitzer und bengalische Feuer ausblendete. Gastgeber-Teams: Die Nationalteams von Österreich und der Schweiz zeigten zwar ansprechenden, aber erfolglosen Fußball. Während die Schweizer bereits nach zwei Gruppenspielen aus dem Rennen waren, holte das ÖFB-Team nur einen Punkt gegen Polen. 30 Jahre nach Cordoba war das “Wunder von Wien” im Entscheidungsspiel gegen Deutschland ausgeblieben. Damit überstand erstmals in der EM-Geschichte kein Gastgeber die Gruppenphase. Angesichts der niedrigen Erwartungen, die im Vorfeld geherrscht hatten, wurde das Auftreten des Teams in Österreich aber großteils positiv bewertet. |
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| "Campeones olé" und traurige Gesichter |
| So sah die Situation Sonntagabend unmittelbar nach dem Ende des Finalspiels mit dem 1:0 für die Spanier in und um das Wiener Happel-Stadion und in den Fanzonen aus. Als direkte Augenzeugen im Wiener Prater und vor den Videowalls hatten in Österreich weit mehr als 160.000 Menschen mit ihrer präferierten Mannschaft gezittert – und dann gejubelt oder getrauert. In den stärksten Zeiten allein über 100.000 Zuschauer hatte es während des EM-Finales in den österreichischen Fanzonen gegeben. Bei strahlendem Wetter und friedlicher Feierstimmung hatten sich zum Anpfiff rund 69.000 Fußballfreunde zum letzten Mal auf der Partymeile in der Innenstadt versammelt. Hinzu kamen noch rund 6.000 Menschen auf der Kaiserwiese, die wegen Überfüllung gesperrt werden musste. Voll war auch die inoffizielle Fanmeile am Wiener Donaukanal. Der Swiss Beach musste bei einem Publikum von rund 2.000 Fans gesperrt werden. An die 20.000 Fans hatten sich am Sonntag in Kärnten vor den Großbildschirmen im ganzen Land versammelt. In Klagenfurt meldete die Polizei rund 4.500 Besucher in der Fanzone am Neuen Platz, im Europapark wurden 5.500 Fußballfreunde gezählt. In Salzburg waren es bis zu 15.000 Fußballanhänger, die sich auf der Partymeile einfanden. In Innsbruck strömten 5.000 Gäste in die Fanzone. Und dann das Ende des Spiels in Wien: Mit Blitzlichtgewitter der Fotografen und ohrenbetäubenden Jubelgesängen wurde der neue Europameister Spanien in der Fanzone gefeiert. Bereits eine Minute vor Spielende begannen die “Espana”-Anhänger hüpfend und Fahne schwenkend mit ihrer Siegesfeier. Für sie gab es kein Halten. Bei den Deutschland-Fans dominierten hingegen betretene Gesichter und starre Blicke auf die Leinwand. Während die Spanier wilde Tänze aufführten und Feuerwerkskörper abfeuerten, hatten die Deutschen – nach Wien waren rund 40.000 Fans gekommen – Tränen in den Augen. Für die Anhänger der Sieger wurden Fanzonen, Straßen und Plätze zu einem riesigen Party-Setting. Schadenfreude bei österreichischen Fußballanhängern: Sie schmähten “Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei”. Die deutschen Fans genehmigten sich noch ein “Frust”-Bier. Der Abzug der Fans begann zügig und problemlos. Die Wiener Polizei sperrte bei Bedarf Straßen, um den Abstrom zu erleichtern. Nach dem Matches im Wiener Happel-Stadion, wo auch der russische Milliardär und Chelsea-Chef Roman Abramowitsch das Finale mitverfolgt hatte: Dort wollten dort viele der anwesenden deutschen Fans nur noch weg. Der Abzug der Fans gestaltete sich problemlos. Die Spanier hingegen feierten ausgelassen. “Campione ole”, war plötzlich die Parole. In Linz-Urfahr beim Public Viewing wurde ausgelassen gefeiert. Der Großteil der dort anwesenden deutschen Fans verließ das Gelände fluchtartig. Gelächter und Pfiffe waren zu hören. Auch dort war es österreichische Schadenfreude, die da gegenüber dem größeren Nachbarn – trotz Ausscheidens der heimischen Equipe noch in der Vorrunde – zum Tragen kam. < Ähnlich auch die Situation in Salzburg. Der “große Bruder” war von den Spaniern geschlagen worden, und die Mozartstadt feierte. Nicht Fans aus Spanien waren es, die nach dem EURO-Finale in der Fanzone der Mozartstadt in Jubel ausbrachen, sondern Einheimische, die sich über den Sieg der Südländer oder aber über die Niederlage Deutschlands freuten. In Summe war rund 15.000 Menschen auf die Partymeile gekommen, wie Polizei-Einsatzleiter Rudolf Feichtinger der APA sagte. Das Rote Kreuz verzeichnete bis Spielende 26 Einsätze. Zwei Menschen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, besondere Zwischenfälle wurden nicht aber vermeldet. |
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| Xavi war der "Kilometerfresser" |
| Spaniens Mittelfeld-Motor Xavi legte laut www.castrolindex.com mit 11,446 Kilometern die größte Distanz zurück, als zweiter Europameister schaffte es Marcos Senna (10,036 km) über die Zehn-Kilometer-Marke. Bei den Deutschen gelang dies Bastian Schweinsteiger (10,637 km) und Michael Ballack (10,242 km). |
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| Spanien ist Fußball-Europameister |
| Der 24-jährige Liverpool-Superstar Fernando Torres erzielte in Minute 33 im mit 51.428 Zuschauern ausverkauften Ernst Happel Stadion in Wien den Goldtreffer, den ganz Spanien ausgiebig feierte.Dieses Tor von “el nino” brachte die langersehnte Erlösung für die fußballverrückten Iberer, denn bisher hatte der Dauer-Favorit in Großereignissen erst einmal zugeschlagen: 1964 gelang mit einem 2:1-Finalerfolg über die Sowjetunion der EM-Triumph im eigenen Land. Bei Weltmeisterschaften war dagegen Platz vier 1950 in Brasilien das Maximum.Doch unter dem als “der Weise von Hortaleza” bekannten Teamchef LuisAragones, der mit 69 Jahren und 338 Tagen nun der älteste Trainer ist, der je ein Team zum EM-Titel geführt hat, wurde Spanien nun endlich seiner Favoritenrolle gerecht. Unter ihm ist “Espana” seit bereits 22 Spielen ungeschlagen, die letzte Niederlage datiert vom 15. November 2006, als ein Freundschaftsspiel in Cadiz gegen Rumänien 0:1 verloren wurde.Spanien ist nicht nur der hochverdiente, sondern auch der logische Europameister. Als einzige Mannschaft verloren Kapitän Iker Casillas und seine Teamkollegen kein Spiel im Turnierverlauf: Nach dem klaren 4:1-Auftaktsieg über Russland gewannen die Iberer auch ihre weiteren Partien in der Gruppe D gegen Schweden und Griechenland jeweils 2:1, im Viertelfinale setzten sie sich gegen Weltmeister Italien 4:2 im Elferschießen (0:0 n.V.) durch, um dann im Halbfinale gegen das Überraschungsteam Russland erneut einen eindrucksvollen 3:0-Triumph zu feiern.Außerdem erzielten die Meister des “tiqui taca”, des von den Gegnern so gefürchteten Kurzpass-Spiels, auch mit zwölf Treffern die meisten Tore und waren ebenso Spitzenreiter in den anderen wichtigen Offensiv-Statistiken (Torschüsse, Ballbesitz, angekommene Pässe). Mit dem im Finale aufgrund einer Muskelzerrung im rechten Oberschenkel fehlenden David Villa, der insgesamt vier Treffer erzielte, stellten sie überdies den Torschützenkönig. Der 26-Jährige ist der erste Spieler seit dem Niederländer Marco van Basten 1988, der neben der Torjäger-Krone auch noch den EM-Titel eroberte.Für den vor der EURO von der spanischen Presse oft angefeindeten Aragones, der am 28. Juli seinen 70. Geburtstag feiert, war der EM-Triumph wohl sein letztes Match auf der Trainerbank von “La Roja”, nachdem Fenerbahce Istanbul ihn bereits als Coach für die kommende Saison vermeldet hat. Sollte er tatsächlich in die Türkei gehen, dann wird ihm wohl der ehemalige Real-Erfolgscoach Vicente Del Bosque als Teamchef nachfolgen.Bei Deutschland stand der wegen einer Wadenblessur bis zuletzt fragliche Kapitän Michael Ballack in der Startelf. Im Vergleich zum 3:2-Halbfinal-Erfolg über die Türkei nahm DFB-Bundestrainer Joachim Löw nur eine erwartete Umstellung vor: Frings spielte anstelle des zuletzt schwachen Rolfes im defensiven Mittelfeld. Aragones war dagegen nach der Verletzung von Stürmer-Star Villa gezwungen, seine bewährte Stammformation zu verändern: Arsenal-Spielmacher Cesc Fabregas verstärkte das Mittelfeld, womit Torres als Solo-Spitze fungierte.Die Deutschen begannen sehr engagiert und drangen ein paar Mal gefährlich in den Strafraum der Iberer ein, weil die gegnerische Viererkette zu Beginn auf der rechten Seite sichtlich nervös agierte. Nach zwölf Minuten übernahmen aber ganz klar die Spanier das Kommando und kamen prompt zur ersten Großchance: Nach einem Iniesta-Schuss prüfte Innenverteidiger Metzelder seinen eigenen Schlussmann Lehmann, der zum Corner abwehrte (14.).In der 23. Minute setzten die Fans von “La Roja” bereits zum Torschrei an, als ein wuchtiger Torres-Kopfball nach einer Flanke von Sergio Ramos an der Stange landete. Auf der Gegenseite übersah der 40-jährige italienische Schiedsrichter Roberto Rosetti ein Handspiel von Capdevila im Strafraum, für das auch schon Elfer gepfiffen wurden (28.).In Minute 33 war es dann aber soweit: Nach Vorarbeit des unermüdlichen “Staubsaugers” Marcos Senna startete Torres goldrichtig in einen Lochpass von Regisseur Xavi Hernandez, anschließend überspurtete “el nino” in Wirbelwind-Manier den “lahmen” Außenverteidiger Lahm und lupfte den Ball perfekt über den herauseilenden Lehmann ins lange Eck – 1:0 für Spanien!Nicht einmal 120 Sekunden später vergab David Silva völlig alleinstehend aus kurzer Distanz nach einem idealen Iniesta-Querpass im Strafraum kläglich, denn sein verunglückter Volley stieg steil in den Nachthimmel auf. Unmittelbar danach krachten Ballack und Senna bei einem Kopfball zusammen, der deutsche Kapitän behielt ein blutendes Cut über den rechten Auge als Andenken, das am Spielfeldrand genäht werden musste.Nach dem Wechsel gab es zunächst Chancen für die stets überlegenen und spielfreudigen Spanier in Hülle und Fülle: Schüsse von Xavi (53) und Silva (54.) brachten aber nicht den gewünschten Erfolg, und bei einem neuerlichen Torres-Sprint war diesmal Lehmann um einen Hauch schneller (55.). Löw musste deshalb reagieren und brachte für den defensiven Mittelfeldspieler Hitzlsperger mit Kuranyi eine zusätzliche Spitze zum bis dahin auf verlorenem Posten stehenden Klose.Und dieser Tausch brachte kurzzeitig den gewünschten Erfolg, schafften es die Deutschen doch, sich aus der roten Umklammerung zu lösen. Aber Ballack traf nach Puyol-Fehler und Schweinsteiger-Vorlage nur das Außennetz (60.), und Klose blockte irrtümlich einen Schweinsteiger-Schuss ab (63.). Auf diese Kurzoffensive des Gegners reagierte wiederum Aragones mit zwei Wechseln: Xabi Alonso kam für Fabregas (63.), Cazorla für Silva (66.).Es waren wieder einmal die goldrichtigen Entscheidungen des “Weisen”, bis zum Schlusspfiff spielten nämlich nur noch die Spanier. Den zweiten Treffer verhinderte aber der diesmal fehlerlose Lehmann mit einem Reflex bei einem Ramos-Kopfball (67.) sowie einer Abwehr bei einem Iniesta-Schuss (68.). Dazwischen klärte Frings auf der Linie. Und der gebürtige Brasilianer Marcos Senna, der wohl die große Entdeckung der EM war, kam nach einer herrlichen Kopfball-Vorlage des für Torres eingewechselten Güiza um Sekundenbruchteile zu spät (81.). Unterm Strich war also auch der Finaltriumph der Spanier hochverdient. |
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| Ringstraße in der Hand der Spanier |
| Lange Gesichter hatten hingegen die Deutschen. Die Österreicher versuchten mit Schadenfreude auch noch einen Erfolg von der EURO mitzunehmen. Mit “Deutschland, Deutschland alles ist vorbei”-Rufen machten sie sich über die Anhänger des Nachbarstaates lustig. Aber auch ohne solche Schmähungen ging es den deutschen Anhängern außerordentlich schlecht: Mit Tränen in den Augen und hängenden Fahnen wollten die meisten nur noch möglichst schnell weg vom Platz ihrer Schmach. Für die Spanier hingegen gab es kein Halten. Kurzerhand wurde die Nacht zum Tag und der Ring zur Partyzone gemacht. Ohne auf Verkehrsvorschriften oder das Pyrotechnikgesetz Rücksicht zu nehmen, ließen es die “Toreros” krachen. Der Abzug von der Fanzone ging dennoch sehr zügig und problemlos vonstatten. Zwischenfälle gab es vorerst nicht. |
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| Fußball-Feste in Deutschland enden traurig |
| Nach der Devise “Noch größer, noch bunter, noch lauter” hatten die deutschen Fans den ganzen EM-Final-Sonntag ein schwarz-rot-goldenes Fußball-Volksfest der Superlative gefeiert. Riesen-Enttäuschung dann am späten Abend, als das Happy End nach dramatischen 90 Minuten ausbleibt. Spanien – und nicht Deutschland – ist Europameister. Viele Public-Viewing-Zonen in der Bundesrepublik mit ihren Millionen Fans waren bereits am Sonntagnachmittag aus allen Nähten geplatzt – einige hatten wegen des enormen Ansturms schon Stunden vorher geschlossen werden müssen. Vor den TV-Geräten zu Hause sowie in den Beisln und Vereinsheimen fieberten schätzungsweise 30 Millionen Menschen mit der deutschen Mannschaft. Wie bei der Fußball-WM vor zwei Jahren im eigenen Land kannte die Begeisterung kaum Grenzen – vielfach war die Feierlaune noch größer. Schließlich stand Deutschland – anders als bei der WM 2006 – im Endspiel. Erst als die Spanier in der 33. Minute mit 1:0 in Führung gingen, machte sich überall Ernüchterung breit. Grabesstille dann beim Schlusspfiff. Es blieb beim 1:0 für Spanien. Die Fußball-Volksfeststimmung war am Sonntag bei sommerlichen Temperaturen bereits Stunden vor dem Spiel und damit unerwartet früh ausgebrochen. Wegen des enormen Ansturms der Berliner schlossen die Sicherheitsbehörden die landesweit größte Fanmeile in der Hauptstadt – mehr als drei Stunden vor Anpfiff um 20.45 Uhr. Mehr als 500.000 Menschen stimmten sich dort vor vier Riesenleinwänden singend und tanzend auf das Finale ein – und waren zu Beginn des Spiel kaum noch zu halten. “Alles dicht” hieß es auch in Hamburg und Hannover sowie im Ruhrgebiet. Hamburg schloss die Eingänge. Mit 42.000 Menschen war das Gelände auf dem Heiligengeistfeld “rappelvoll”. In Stuttgart feierten ebenfalls über 40.000 Fans, in Frankfurt am Main 50.000, in München gar 80.000. |
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| Lahm: Risswunde am linken Fuß |
| Der Linksverteidiger vom FC Bayern München hatte sich am Sonntagabend in Wien eine Risswunde am linken Fuß zugezogen, die genäht werden muss. Lahm wurde beim Stand von 0:1 aus deutscher Sicht durch seinen Münchner Vereinskollegen Marcell Jansen ersetzt. |
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| Ballacks "Finalfluch" ging weiter |
| Der nach einer Wadenblessur gerade noch rechtzeitig fit gewordene 31-jährige DFB-Kapitän konnte im Gegensatz zur WM 2002 (gesperrt beim 0:2 gegen Brasilien) beim EURO-Endspiel gegen Spanien am Sonntagabend in Wien einlaufen, trotzdem die 0:1-Niederlage gegen Spanien aber nicht verhindern. Davor hatte er auch schon bei den EM-Endrunden 2000 und 2004 (jeweils Out nach der Gruppenphase) und der Heim-WM 2006 (Platz drei) vergeblich versucht, mit dem dreifachen Welt- und Europameister einen der beiden prestigeträchtigen Pokale zu gewinnen. Dazu setzte es für einen der wohl besten Mittelfeldspieler Europas erst kurz vor dem EM-Beginn im Champions-League-Finale mit Chelsea gegen Manchester United im Elfmeterschießen eine denkbar knappe Niederlage. Es war bereits sein zweites verlorenes Endspiel in der “Meisterliga” nach dem 1:2 mit Bayer Leverkusen gegen Real Madrid 2002. Ballacks Einsatz im Finale war ein Wettlauf mit der Zeit, den der Routinier, der die letzten beiden Trainings wegen Problemen in der rechten Wade versäumt hatte, dank des großen Einsatzes der DFB-Mannschaftsärzte schlussendlich gewann. “Er ist ein ganz besonderer Spieler für uns, er ist ein Leader, so jemanden brauchen wir im Finale”, hatte Teamkollege Thomas Hitzlsperger am Abend vor der Partie noch betont. Im Spiel war aber klar ersichtlich, dass der Chelsea-Mittelfeldspieler von seiner Bestform, wohl auch geschwächt durch seine Verletzung, weit entfernt war. In seinem 87. Länderspiel konnte Ballack vor allem vor der Pause kaum Akzente setzen, trabte zumeist nur über das Feld und spielte, wenn dann keine tödlichen, sondern nur Sicherheitspasses. Zum Auftritt des 31-Jährigen passte, dass er nach einem Zusammenstoß mit Spaniens Senna in der 35. Minute oberhalb des rechten Auges ein Cut erlitt und zweimal außerhalb des Spielfeldes behandelt werden musste. Trotzdem verließ der Kapitän beim Stand von 0:1 nicht das sinkende Schiff und wurde nach dem Seitenwechsel zumindest aus kämpferischer Sicht besser. Und einmal blitzte auch die Torgefahr des 38-fachen Teamtorschützen auf, dessen Volleyschuss ging allerdings denkbar knapp am Gehäuse von Casillas vorbei (60.). Damit war es mit den “Ballackschen Höhepunkten” aber schon geschehen und der England-Legionär, der seine Mannschaft zumindest versuchte mitzureißen, musste neuerlich in einem großen Spiel als Verlierer den Platz verlassen. Für Ballack ging damit eine durchwachsene EM mit einer großen Enttäuschung zu Ende. Viele hatten von dem bei Chelsea nach seiner überstandenen Knöchelverletzung groß aufspielenden Mittelfeldass eine tolle EM erwartet, DFB-Teammanager Oliver Bierhoff hatte Ballack gar zugetraut, der große EM-Superstar zu werden. Am Ende dominierte nach einem guten Polen-Spiel bei Ballack aber nur eine solide kämpferische und läuferische Leistung. Auch wenn Ballack Österreich mit einem 121 km/h-Hammer-Freistoß im Alleingang k.o. schoss und gegen Portugal per Kopf zum 3:1 traf, von spielerischem Glanz sowie genialen Pässen sah man nur wenig. Für einen Mann seiner Klasse war das einfach zu wenig, um Deutschland zum vierten Europameistertitel zu führen. |
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| Torres – So berühmt wie "Marcelino" |
| War es vor 44 Jahren der legendäre “Marcelino” Martinez gewesen, der Spanien mit dem 2:1-Siegtreffer gegen die UdSSR in Madrid den EM-Titel sicherte, so schoss am Sonntagabend im Wiener Ernst-Happel-Stadion Torres “La Roja” zum 1:0-Finalsieg gegen Deutschland. Spanien ist damit nach 1964 zum zweiten Mal Fußball-Europameister. Genau so ein Erlebnis hatte sich Torres noch am Vortag des großen Endspiels in einem Interview erhofft. “Für ein Tor im Finale würde ich weiß Gott was geben”, sagte er. Denn: “Der Name von Marcelino ist allen Spaniern im Gedächtnis, weil er damals im Finale das Tor geschossen hat.” Nunmehr müssen sich die Spanier eben zwei Herren merken. Bisher war Torres bei der EURO 2008 eher im Schatten seines Stürmerkollegen David Villa gestanden, doch am Sonntag zerzauste “el nino” Deutschland im Alleingang. Es war die 33. Minute, als der Liverpool-Striker nach einer langen Pass-Kombination über Marcos Senna und Xavi den deutschen Verteidiger Phillip Lahm überrumpelte und dann am aus dem Tor eilenden Keeper Jens Lehman vorbei zum 1:0 ins lange Eck traf. Es war erst sein zweites Tor bei der EURO 2008, das erste hatte “das Kind” beim 2:1-Sieg gegen Schweden in der Gruppenphase erzielt. David Villa kam hingegen bisher auf vier Treffer, allerdings musste der Valencia-Stürmer im Finale wegen einer Muskelverletzung passen. Also sprang diesmal Torres ein. Die spanischen Fans wussten das zu schätzen, die weiblichen ganz besonders. Der stets etwas schüchtern wirkende 24-Jährige hat mit seinen blonden Haaren und dem jugendlichen Engelsgesicht einen festen Platz in so manchem Teenager-Herzen. Und wahrscheinlich auch bei ein bisschen älteren Semestern. Dass er bei der EURO 2008 als Torschütze lange nicht zur Geltung kam, kam eigentlich etwas unerwartet. Schließlich hat Torres eine teuflisch gute Saison bei Liverpool hinter sich. Er schoss in seinem ersten Jahr in der Premier League in 33 Spielen gleich 24 Tore. Das ist der Rekord für einen ausländischen Debütanten. In der “seleccion” kommt er als “goleador” aber ganz allgemein nicht ganz so gut zur Geltung. Vor dem Deutschland-Spiel war er in 53 Spielen auf gerade 16 Tore gekommen. Seit der WM-Endrunde 2006 in Deutschland, wo er dreimal traf, waren es dabei in 16 Partien sogar nur drei gewesen. Aber dann kam das wichtigste, jenes vom Sonntag. Torres wurde dafür im Finale auch zum “Spieler des Spiels” gewählt. Spaniens Teamchef Luis Aragones lässt freilich etwas anders spielen, als es Torres von den “Reds” gewöhnt ist. Dort wird er meist mit langen Bällen nach vorne losgeschickt. “La Roja” pflegt aber das flinke Kurzpassspiel (“tiqui taca”, sprich “tiki taka”), wodurch “el nino” oft wie ein aus dem Freundeskreis ausgestoßenes Kind allein am Spielplatz herumirrt. “Ich bin praktisch überhaupt nicht beteiligt”, klagte “das Kind” einmal darüber, dass ihn die Kumpels oft nicht mitspielen lassen. Dabei meinen sie das gar nicht böse. “Torres ist sehr wichtig für uns”, lautete der Tenor im spanischen EURO-Camp in Neustift im Stubaital. Am Sonntag hat er das eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wie Aragones ist auch Torres eng mit dem Stadtrivalen von Atletico Madrid verbunden. “Luis” war dort als Spieler und dann gleich viermal als Trainer tätig. Zuletzt in der Saison 2002/03, wo er “el nino” bereits unter seiner Fittiche hatte. Torres wuchs im Nachwuchs von Atletico auf und spielte von 2001 bis 2007 in der Kampfmannschaft (214 Spiele/82 Tore). Dann wechselte er für 35 Millionen Euro an die Anfield Road. Obwohl Aragones stets nur Lobeshymnen für Torres parat hat (“Sehr schnell, technisch hervorragend und torgefährlich”) ist er sein liebstes Tauschobjekt. In 36 Spielen setzte er ihn von Beginn an ein. Zu Ende spielen durfte Torres freilich nur 12 Partien, womit er in 24 Fällen vorzeitig vom Platz musste. So oft wie keiner seiner Kollegen. Ein Austausch hatte ganz zu Beginn der EURO auch zu einer kleinen Verstimmung zwischen Torres und Aragones geführt. Der Stürmer hatte nach seiner Auswechslung im ersten Gruppenspiel gegen Russland (4:1) dem “Mister” nicht die Hand gegeben. Selbst wenn beide die Sache bald als erledigt betrachteten, war sie für die spanischen Medien mehrere Tage ein Thema. Am späten Sonntagabend werden der Fußball-Opa Aragones und “el nino” aber wohl trotz der neuerlichen Auswechslung (gegen Daniel Güiza/78.) wieder ein Herz und eine Seele gewesen sein. |
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| Die Conquista Europas |
| Es handelt sich erst um den zweiten Titel dieser Art in der fast 100-jährigen Geschichte des 1913 gegründeten spanischen Fußballverbandes. Da Spanien seit Jahrzehnten als Fußball-Weltmacht gilt, war er längst überfällig. Die Conquista Europas verdanken die Spanier einem alten Haudegen: Teamchef Luis Aragones.Der im Juli 1938 geborene Aragones hatte das Traineramt nach der für Spanien enttäuschenden EURO 2004 in Portugal übernommen und lange deutete nichts daraufhin, dass ausgerechnet er die “seleccion” zu ihrem größten Triumph seit 44 Jahren führen sollte. Im Herbst 2006 stand sogar die Qualifikation für die EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz auf der Kippe, in Nordirland (2:3) und Schweden (0:2) hatte Spanien bittere Niederlagen einstecken müssen.Aragones bot damals seinen Rücktritt an und die meisten Fußball-Spezialisten zwischen Irun und Tarifa – und die gibt es millionenfach – schüttelten den Kopf, dass der Verband seinem Wunsch nicht nachkam. “Luis” war nicht nur wegen seines oft minder gesellschaftsfähigen Verhaltens – tatsächlich schreckt er vor keinem derben Fluch zurück – umstritten, auch seine Erfolgsbilanz war kein übermäßig bedrucktes Ruhmesblatt.Zwar tingelt Aragones bereits seit 1974 trainermäßig durch die spanischen Lande, seit 1992 (Cup-Sieg mit Atletico Madrid) hatte er aber nichts mehr zu feiern gehabt. Und zu Meisterehren war er als Coach ohnehin nur einmal gekommen: Das war 1977 (ebenfalls mit “Atleti”), also auch schon eine Ewigkeit her. Gerüchteweise lag sein Verbleib auch daran, dass sonst niemand den Job übernehmen wollte.In Spanien stehen traditionell die großen Vereine wie Real Madrid, FC Barcelona, Valencia CF oder jüngst auch der FC Sevilla im Mittelpunkt des Interesses. Zudem hat die spanische Nationalmannschaft in dem stark regionalistisch und bisweilen sogar von separatistischen Tendenzen (Basken, Katalanen) geprägten Land nicht immer einen starken Rückhalt. Vor allem wenn sie verliert.Das hat sie aber nunmehr seit 19 Monaten nicht mehr getan und Aragones wird wieder ohne Ironie der “Weise von Hortaleza” genannt. Denn irgendwie hat der bald 70-jährige mit dem mürrischen Charme eines Turnlehrers, der wegen fehlender Versicherungsjahre noch im Pensionsalter Tag für Tag mit seinen Schützlingen auf dem Sportplatz stehen muss, das spanische Team revolutioniert. Wobei er nicht anderes getan hat, als die sattsam bekannten Tugenden seiner Spieler nicht als Erfolgshindernis zu betrachten, sondern sie zur Tugend zu erheben.An sich galt der eher kleine, technisch beschlagene, aber verspielte Kickertyp, wie er in Spanien fast an jeder Straßenecke zu finden ist, im modernen, dynamischen Fußball als Auslaufmodell. Aragones aber baute sein ganzes Konzept darum auf. Über vier Jahre ließ er das mittlerweile sattsam zitierte “tiqui-taca” (“tiki-taka”), also das flinke Kurzpassspiel, fast bis zur Perfektion reifen.Somit wurde seine geradezu unglaublich simple Fußball-Philosophie zum Erfolgsgarant: “Solange wir den Ball haben, kann der Gegner keinen Schaden anrichten.” Tatsächlich hatte Spanien in allen Spielen der EURO 2008 mehr Ballbesitz als der Gegner. Natürlich ging der “balon” mitunter auch verloren, doch dafür hatte Aragones die Defensive ein bisschen besser abgedichtet.Freilich war ein langer Lernprozess vonnöten. Ein Schlüsselerlebnis war dabei das Achtelfinal-Aus bei der WM-Endrunde 2006 in Deutschland gegen Frankreich. “Luis”: “Damals haben wir zu fröhlich nach vorne gespielt.” Das hat sich geändert. Zudem ist Aragones in Sachen Taktik durchaus gefinkelter, als er es selbst nach außen hin darstellt. Spanien war gegen jeden Gegner optimal eingestellt.Ein weiteres Erfolgsgeheimnis kramte er ebenfalls aus der Mottenkiste hervor. Der alte Mann im Trainingsanzug und der unvermeidlichen Trillerpfeife formte aus begabten und dadurch wohl auch egozentrischen Individualisten eine verschworene Gemeinschaft. Störende Elemente wie Reals Superstar Raul wurden dagegen entfernt. Wobei es Aragones weniger um Rauls Charakter ging, sondern um unerwünschte Nebenwirkungen wie etwa ständige Diskussionen über ihn in den Medien.Der stets beschworene und öffentlich gepriesene Teamgeist nahm dann im dreiwöchigen Trainingsquartier in Neustift/Stubaital im Heiligen Land Tirol fast schon mönchische Dimensionen an. Selbst millionenschwere Stars wie Cesc Fabregas oder Xabi Alonso, die eigentlich karrierebewusste Egoisten sein sollten, nahmen in freudiger Demut auf der Ersatzbank Platz. Weil es der “Mister” so wollte. Fabregas: “Was der Mannschaft hilft, ist gut.”All diese Ingredienzien konnten freilich nur deshalb zu einem spritzigen EURO-Cocktail werden, weil “Luis” das erste Mal seit Jahren auch das perfekte Spielermaterial für seine Ideen zur Verfügung hatte. Leute wie David Villa, Fernando Torres oder Xavi Hernandez sind nicht umsonst Lichtgestalten des europäischen Fußballs. Ihr Ausnahmekönnen in eine perfekte Harmonie verpackt, das musste einfach Erfolg bringen und die Durststrecke beenden.Nur einmal, 1964, hatte Spanien bis Sonntag einen EM-Titel geholt. Durch ein 2:1 in Madrid gegen die UdSSR. Wie lange das her ist, lässt sich anhand des Wochenschauberichts von damals erkennen, der in Spaniens Internet-Medien zirkuliert. Zu Beginn wird die Begeisterung des 120.000-köpfigen Publikums über das Erscheinen von Diktator Francisco Franco und seiner Frau Carmen Polo in der Ehrenloge gezeigt. Der Sieg Spaniens über die UdSSR war auch ein Erfolg des Nationalkatholizismus gegen den Weltkommunismus. Die Zeitläufte haben viel verändert: Seit drei Jahren ist in Spanien die Homo-Ehe legal. |
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